Botulinumtoxin bei Hyperhidrosis

Eine vermehrte fokale Schweißneigung ist relativ häufig. Sie betrifft meist Hände, Füße und Achselhöhlen. Junge Menschen sind eher betroffen. Die Ursache ist ungeklärt, eine familiäre Häufung wird gesehen.

Patienten mit Hyperhidrosis haben oft einen erheblichen Leidensdruck. Im Bereich der Achseln weisen die Kleidungsstücke große Schweißstellen auf, wodurch häufiger Kleiderwechsel erforderlich ist. Die Hände sind sehr feucht, so dass beim Schreiben das Blatt feucht wird, oder der Händedruck für den Gegenüber unangenehm ist. Bei erhöhter Schweißneigung an den Füßen sind die Socken und die Schuhe ständig feucht. Etliche Patienten klagen über häufige grippale Infekte durch die feuchte Kleidung.

Betroffene sind privat und beruflich häufig erheblich eingeschränkt und viele meiden sogar soziale Kontakte. Einige Berufe bleiben diesen Patienten verwehrt.

Die meisten therapeutischen Ansätze sind unwirksam oder mit erheblichen Nebenwirkungen belastet. Botulinumtoxin ist hierbei eine sehr hilfreiche und relativ nebenwirkungsarme Alternative.

Bei der Hyperhidrosis der Achseln ist die Injektion intrakutan relativ problemlos möglich. Es wird eine geringe Dosis von 1,25 bis 2,5 E. Botox pro Injektionstelle im Bereich der behaarten Haut mir einem Abstand von etwa 2 cm gewählt. Zur Injektion werden sehr dünne Nadeln gewählt (z.B. 27 g), so dass die Injektionen wenig schmerzhaft sind. Durch das Toxin wird nur die Aktivität der ekkrinen Schweißdrüsen reduziert, die apokrinen Drüsen bleiben unbeeinflusst, d.h. die Geruchsentstehung ist weiterhin möglich. Die Wirkung setzt nach einigen Tagen ein (meist 4 bis 7 Tage) und hält meist für mehrere Monate an (meist 4 bis 6 Monate).

Eine erhöhte Schweißneigung an Händen und Füßen ist schwerer zu behandeln, da die Injektion in diesen Bereichen meist wesentlich schmerzhafter ist. Das Vorgehen ist wie oben beschrieben. Toleriert der/die Patient/in den Schmerz nicht, kann an den Händen beipsielsweise eine Blockade des N. medianus und evtl. des N. ulnaris erfolgen. Alternativ kann auch der Einsatz anästhesierender Salben probiert werden. Bei Patienten mit einer Hyperhidrosis an Händen und Füßen, welche die Schmerzen nicht tolerieren, führen wir eine Kurznarkose durch. Als hilfreich erweist sich in vielen Fällen vor der Injektion eine Schweißtest nach Minor, mit dem man die vorwiegend betroffenen Areale gut darstellen kann.

Relevante unerwünschte Wirkungen sind bei niedrigen Dosen nicht zu erwarten. Am häufigsten treten lokale Hämatome auf. Theoretisch können benachbarte Muskeln geschwächt werden. Bleibt man jedoch intrakutan und wählt man geringe Dosierungen, tritt in der Regel keine Schwäche auf. Lediglich im Bereich des Thenar und Hypothenar sollte man vorsichtig sein.

Die Behandlung der Hyperhidrose ist in Deutschland als Indikation zugelassen. Sind nur die Achseln betroffen, kann mit ca. Euro 120,- bis Euro 200,- (Einkaufspreis) ein Erfolg erzielt werden. Sind zusätzlich Hände und Füße betroffen, wird Toxin zum Preis von Euro 900,- bis Euro 1200,- (Einkaufspreis) benötigt. Auf Antrag werden von vielen Krankenkassen die Kosten übernommen. Dies ist auch sicher gerechtfertigt. Zusammenfassend ist Botulinumtoxin derzeit das mit Abstand wirkungsvollste Medikament zur Therapie einer fokalen Hyperhidrosis.